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Kalibrieren von Gasdurchflusscomputern (eichpflichtiger Verkehr)

13. Aug 2020 | Kalibrierung

Gasdurchflusscomputer im eichpflichtigen Verkehr, die den Durchfluss von Pipelines durch Messung des Differenzdrucks berechnen, z. B. mittels einer Messblende oder einer anderen Differenzdruck-Durchflussvorrichtung, benötigen eine spezielle Kalibrierung, um mit optimaler Genauigkeit zu arbeiten. Gasdurchflusscomputer messen drei primäre Parameter zur Berechnung des Durchflusses: den volumetrischen Durchfluss (Druckdifferenz an der Messblende), den statischen Druck in einer Pipeline und die Gastemperatur. Anhand dieser Daten werden die tatsächliche Masse und das tatsächliche Volumen des Gases berechnet, das durch die Pipeline fließt.

Diese Kalibrierungen können mit drei einzelnen Kalibratoren vorgenommen werden, einem Niederdruck-, einem Hochdruck- und einem Temperaturkalibrator, oder mit einem Multifunktionskalibrator, der auf diese spezielle Aufgabe ausgelegt ist.

Fluke 721 oder 721Ex ist ein für diese Aufgabe geeigneter Kalibrator. Er verfügt über zwei integrierte Druckbereiche und kann Temperatur messen. Die gängigste Konfiguration ist 16 psi (1 bar) auf der Sensorseite für Niederdruck (P1) und 1500 psi (100 bar) oder 3000 psi (200 bar) auf der Sensorseite für Hochdruck (P2). Das Gerät misst die Temperatur mit einem sehr genauen RTD-Messfühler und kann bei Bedarf alle drei Messwerte gleichzeitig anzeigen.

Durchführung der Prüfung:

Zunächst muss der Durchflusscomputer von der Pipeline getrennt werden. Für gewöhnlich ist er mit einem Ventilblock mit 5 Ventilen installiert. In diesem Fall müsste die Trennung durchgeführt werden können, indem die Ventile auf der Seite der Pipeline am Ventilblock geschlossen werden. Beachten Sie bei dieser Trennung in jedem Fall die lokalen Richtlinien und Sicherheitsverfahren. Stellen Sie den P1-Sensor des 721 auf die Messung von Zoll Wassersäule, den P2-Sensor auf die Messung von psi und den Temperatursensor auf die Messung von Grad Celsius ein.

  1. Die Kalibrierung des Niederdruck-Differenzdrucks wird mit dem Umgebungsluftdruck auf der Niederdruckseite durchgeführt. Entlüften Sie den Niederdruckanschluss des Durchflusscomputers oder Drucktransmitters und verbinden Sie die Hochdruckseite des Durchflusscomputers oder Transmitters mit dem Niederdruckanschluss (P1) des Kalibrators.

    Schließen Sie den Computer (PC) am seriellen oder USB-Anschluss des Durchflusscomputers an. Der PC weist den Anwender an, einen oder mehrere Prüfdrücke am Durchflusscomputer oder Transmitter anzuwenden. Beispiel: 0, 100 und 200 Zoll Wassersäule. Verwenden Sie die Pumpe, um den Prüfdruck annähernd herzustellen, und anschließend die Feineinstellung oder Druckfeinjustierung, um den genauen Wert zu erreichen.

  2. Die statische Druckkalibrierung wird für gewöhnlich entweder auf denselben Hochdruckanschluss des Durchflusscomputers oder sowohl auf den Hochdruck- als auch auf den Niederdruckanschluss angewendet. Details finden Sie in den Anweisungen des Herstellers. Verbinden Sie den Hochdruck-Sensoreingang (P2) mit dem entsprechenden Anschluss am Durchflusscomputer oder Transmitter und mit der Hochdruck-Prüfquelle. Der PC gibt an, welche Drücke über die Druckquelle angewendet werden müssen.
  3. Die Kalibrierung der Temperaturmessung am Durchflusscomputer wird bei der Betriebstemperatur der Pipeline durchgeführt. Führen Sie den RTD-Messfühler in die Tauchhülse ein, und warten Sie, bis sich die Messung stabilisiert hat.

    Der PC weist den Anwender an, die vom Kalibrator gemessene Temperatur einzugeben. Nehmen Sie den RTD-Messfühler aus der Tauchhülse. Die Kalibrierung ist abgeschlossen.

  4. Durchflusscomputer mit Eingängen von 4 bis 20 mA: Viele Durchflusscomputer nutzen einen Niederdruck-, statischen und Temperaturtransmitter, um die gemessenen Parameter in 4 bis 20 mA-Signale umzuwandeln. In diesem Fall müssen diese Transmitter möglicherweise einzeln kalibriert werden, wenn die Ergebnisse der Prüfung nicht zufriedenstellend sind (weitere Einzelheiten finden Sie im Anwendungsbericht zum Kalibrieren von HART-Transmittern). Eine weitere Fehlerquelle bei dieser Konfiguration sind die Eingangs-A/D-Karten des Durchflusscomputers. Diese können unabhängig mit einer mA-Signalquelle von einem Stromschleifenkalibrator geprüft werden.

Diesen Anwendungsbericht mit hilfreichen Technik-Tipps finden Sie zusammen mit ACHT weiteren Anwendungsberichten in einem KOSTENLOSEN Leitfaden zur Druckkalibrierung.